Fachexkursion 2016 – Kuchler Absolventen heben ab im Vorzeigeland des Holzbaues

„Alles auf Schiene“ hieß es bei der diesjährigen Fachexkursion des Kuchler Absolventenvereins, wo man die gemeinschaftliche An- und Abreise per Railjet organisiert hatte. Mit dem Ziel Vorarlberg standen vom 5. bis 7. Mai 2016 Betriebsbesichtigungen, Jahreshauptversammlung und sogar ein Silvretta-Rundflug mit dem Hubschrauber auf dem Programm. Die Absolventen konnten das Holzbau-Vorzeigeland also vom Forst- über die Verarbeitung bis hin zu realisierten Projekten zu Boden und aus der Luft begutachten.

Sägewerk des Jahres 2016

Beeindruckt waren die Absolventen vom Sägewerk Erhart in Sonntag. „20 Mio. Euro wurden in den vergangenen Jahren in das Bandsägewerk investiert“, berichteten die Brüder Ignaz und Joachim Erhart. Eine ausgeklügelte Philosophie überzeugte auch den Holzkurier und verlieh dem Unternehmen das Zertifikat „Sägewerk des Jahres 2016“. 60.000 fm/J werden verarbeitet und man hat sich auf Starkholz spezialisiert. Erst kurz vor dem Einschnitt wird entrindet, das Rundholz wird somit in Rinde gelagert und bewässert. Am Rundholzplatz steht ein Liebherr-Portalbagger zur Verfügung. Verarbeitet werden 60% Fichte, 30% Tanne und der Rest sind Buche, Eiche, Kiefer und sonstige Laubhölzer. Zwei Drittel des Rundholzes stammen aus der Schweiz. Die Schnittware wird zu 60% in der Schweiz, zu 20% in Vorarlberg und Österreich abgesetzt, der Rest sind Exoten wie China und Japan. Auf das Filetieren von feinjährigem, aber fehlerhaftem Starkholz hat man sich im Sägewerk spezialisiert. „Unser Standortvorteil sind motivierte Mitarbeiter und die schöne Faser unseres Holzes“, so Erhart.

David und Goliath – Gemeindezentrum Ludesch als Vorzeigebau

Bestaunt haben die Absolventen auch den Status des Holzbaus in Vorarlberg. Dr. Matthias Ammann, Vorarlberger holzbau_kunst, berichtete von den Vorarlberger Bemühungen „das Holz immer wieder ins Gespräch zu bringen“. Er weiß, dass es EU-weit große Unterschiede gibt in der Ausbildung und daher auch in den Zielsetzungen für die Gesetzgebung und für Zertifikate. So sei beispielsweise in den alpinen Ländern der Nachwuchs sehr gut ausgebildet, jedoch in England und in Osteuropa habe man eine andere Philosophie.

Tolle Architektur, gutes Handwerk und die Ökologie, das sind für ihn die Chancen für den Werkstoff Holz bzw. den Holzbau. Aufgrund der unterschiedlichen Budgets gibt es eine Materialschlacht – David gegen Goliath – wobei die Hölzernen einfach wie David listiger und schneller sein müssten.

Anlässlich der Jahreshauptversammlung stellte Prokurist Josef Gröchenig den Holzhandel Tschabrun vor. Im Familienunternehmen wird mit 115 Mitarbeitern ein Umsatz von 40 Mio Euro erwirtschaftet. „Unsere Produkte sind wie bei allen Holzwerkstoff- und Baustoffhändlern weitgehend austauschbar. Daher wollen und müssen wir in unserer Dienstleistung einzigartig sein: Marktbearbeitung durch unseren Außendienst, Lagerhaltung, Logistik. Diese Strategie war auch maßgebend bei unserer 10-Mio-Euro-Investitionsentscheidung für das Logistikzentrum Rankweil“, erläuterte Gröchenig.

Hobelware, Paletten und Kisten

Burkhard Fink, Profiholz Fink, hat sich auf heimische Lärche, Tanne, nordische Fichte und Thermokiefer spezialisiert. Daraus wird qualitativ hochwertige Hobelware für den Innen- und Außenbereich erzeugt, welche ca. 80% des Gesamtumsatzes ausmachen. Als zweites Standbein werden Kisten und Paletten in Sondergrößen gefertigt. Im Inland werden Zimmerer beliefert. 55% des Absatzes gehen in die Schweiz, der Rest in den süddeutschen Raum und Vorarlberg. Der Schweizer Markt ist von den Preisen her sehr interessant, aber die Qualität, die man liefern muss, ist sehr speziell, weiß Fink. 15.000 m3 werden verarbeitet, dabei setzt man auf ein großes Lager. „Momentan hat die nordische Ware eine lange Lieferzeit, da zuerst der strenge Winter die Holzbringung unmöglich machte und dann wurde es schnell warm und man konnte ebenfalls nicht mehr in den Wald fahren.

Dass es in der Schweiz „goldenen Boden für Holzprodukte“ gibt, bestätigten die drei Unternehmer nur bedingt. Es ist natürlich interessant den Markt zu beliefern, da Holz und Holzbau einen besonderen Stellenwert genießen. Auch die Preise seien da auf einem hohen Niveau – ABER, im Gegensatz zu anderen Märkten sei auch der Qualitätsanspruch ganz oben angesiedelt. „Spätestens dann relativiert sich der hohe Preis meist sehr schnell“, wurde hervorgehoben.

Tanne interessante Holzart

Die Weißtanne war fast wie ein Klotz am Fuß, sind sich die Vorarlberger einig, und führte zu einer Zwangsbeglückung beim Kunden. Mittlerweile ist die Tanne eine wichtige Holzart geworden, mit der man auch noch etwas verdienen darf. „Wir haben Top-Verarbeiter im Land und wir haben einen guten Ruf bei der Tanne“, so die Vorarlberger. Verwendung findet sie bei Fensterkanteln, Innenvertäfelungen oder bei Fußböden. Auch den Architekten gefällt die schlichte Tanne. Der fehlerhafte und rissige Kernbereich stellt für die industriellen Verarbeiter ein Problem dar, daher ist diese individuelle Holzart ein echtes Nischenprodukt für einen begrenzten Markt. Gott sei Dank gehört Vorarlberg zu diesem Markt dazu – so die Vortragenden.

Dr. Johanna Kanzian, Mag. (FH) Hubert Burböck

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